Moslembruderschaft Ägypten; Dialektik der Machtergreifung

 

        Getrennt marschieren, gemeinsam Siegen…

 

Wenn über den politischen Einfluss der Moslem Bruderschaft ( MB) berichtet wird, so bezieht man sich gern auf das letzte Wahlergebnis bei dem die MB 26% der Stimmen versammelte. Dabei wird außer Acht gelassen, dass 1. Die Wahl  manipuliert war (Kandidaten brauchten u.A. die Erlaubnis des Regimes) und 2. und das ist noch viel wichtiger die MB nur für wenige der Parlamentssitze Kandidaten aufstellte . Viele Moslem Brüder traten obendrein unter Listen anderer Parteien an. Jeder einzelne von ihnen errang den angestrebten Sitz. So ist das allgemein verbreitete Märchen die MB habe in der Bevölkerung nur eine stark begrenzte Zustimmung einfach eine Beruhigungspille für westliche Eliten. Die Ankündigung der MB dieses Mal für 45%, aktuell sind es bereits über 50%, der Sitze Kandidaten aufzustellen bedeutet, dass sie davon ausgeht die auch zu gewinnen. Für ihre Vorsicht und strategisch taktische Weitsicht sind die Brüder berühmt. Erringt sie 30% der Sitze könnte die MB jede “ unislamische Gesetzesinitiative” verhindern! Mit dem Sieg der MB beim Verfassungsreferendum ist nach Artikel 2 die Scharia sowieso weiterhin als Quelle des Rechts bestätigt worden! Wie wir gerade bei den antichristlichen riots erleben, kommt die Macht der Strasse noch dazu. 

 

2. Teil der Übersetzng, Leitartikel des führenden Moslem Bruders Issam al-Aryan,

 veröffentlicht in Dar al-Harat. Übersetz ins Englische von Sami al-Abasi für Pajamas Media . 

Die zweite Frage ist: Wird die MB eine oder mehrere Parteien gründen?  

Eine Partei zu gründen ist durch einfache Registrierung möglich und es braucht nur ein paar tausend Gründungsmitglieder, jedem Einzelnen ist es möglich vorausgesetzt er hat die Berechtigung, die Unterstützung und die Fähigkeit im Wettstreit zu bestehen.  

Die MB hat als populäre Organisation die Pflicht einige ihrer Mitglieder zu beauftragen eine Partei zu gründen und in politischen Funktionen das im Wettbewerb stehende Feld der konkurrierenden Parteien anzuführen. Sie hat nicht das Recht abseits zu stehen nachdem sie (bereits) Parlamentarier nominierte und über 20% der Sitze errang und vor einem halben Jahrhundert entschied, das Führungs- Bureau mit der Gründung zu beauftragen. Nun ist der Moment zur Realisierung gekommen.  

Mehrere Parteien zu bilden ist eine seltsame und merkwürdige Herangehensweise. Wie kann eine populäre Kraft die Anteil an Entscheidungen nehmen, eine Regierungskoalition bilden oder sogar allein regieren will ihre Bemühungen zersplittern und Stimmen für die Partei aufteilen? 

Das Gegenteil ist war und mehrere Parteien zu gründen ist es wozu die Pflicht uns ruft. Die Moslem Bruderschaft ruft all Jene die sich um islamische Angelegenheiten sorgen und (sich) um die Implementierung des islamischen Gesetzes (bemühen) zur Brüderlichkeit, Zusammenarbeit und Treue auf. 

(Die MB verfügt über ein Netz von Organisationen die im Bereich Jugend, Bildung, Soziales und Umwelt fest in der Bevölkerung und besonders der jungen gebildeten Schicht verankert sind. So bietet sich die Möglichkeit “ über Themen Parteien“ Wählerschichten zu erschließen. JJ )

Tatsächlich bilden sich in Ägypten gerade starke Parteien innerhalb der vier grundsätzlichen Strömungen: Islamisch, National, Liberal und Links. Wenn Ägypten es braucht können fünf oder sechs starke Parteien sich verbinden, Allianzen bilden oder einzeln um Vertrauen werben. Das gilt auch wenn sich sogar zehn Parteien etablieren.  (aus dem Tahrir Platz Bündnis sollen 16 Parteien entstanden sein, davon einige islamische. JJ )  

Wenn die MB bei den letzten Wahlen, 2005, bei denen die zweiten und dritten Durchgänge manipuliert wurden 26% der Stimmen erhielt könnte der Stimmen Anteil aktuell etwa in diesem Bereich liegen. Unter diesen Voraussetzungen versucht die Bruderschaft 30 bis 35 % der Sitze zu gewinnen. Kann die zentristische, nationale und islamische Stimme  so zersplittert werden? 

Wenn die Bruderschaft 100 Einheiten an Leistungskraft hat, so erwarte ich die wie folgt eingesetzt zu sehen: 

75 Arbeitseinheiten im Bereich gesellschaftliche Bekehrung ( Islamisierung), erzieherisch, sozial, kulturell und intellektuell und 25 Arbeitseinheiten für die Parteiarbeit, den Aufbau der MB Freiheits- und Gerechtigkeits-Partei. Natürlich wird die MB dies mit aller Kraft während des Wahlkampfes unterstützen. In dieser Zeit werden MB Mitglieder sich der Wahlwerbung und Abstimmung verschreiben. Aber auf der anderen Seite ist es Grundsatz und Prinzip dass die Arbeit weiter im Volk geleistet wird.  

Soweit also zu den Vorstellungen. Und tatsächlich wurde die Führungsriege der neuen Partei auch, gegen Gegrummel des jüngeren hungrigen Politnachwuchses, vom Schura Rat der MB besetzt. vorübergehend wie es heißt. Nach neueren Stellungnahmen will die Bruderschaft nun in 52% der Wahlkreise kandidieren. Diese Ankündigung löste bei dem “ alten” Tahrir- Bündnis Entsetzen aus. Man hatte sich wohl im Vorfeld darauf geeinigt die Macht gerecht aufzusplittern. Der Bruch des Tahrir Bundes wurde auch bei einem Oppositionskongress am Wochenende deutlich. Alle waren gekommen, alle außer der MB, die ganz offensichtlich keine Zeit mehr mit der “ Generation Face Book” verschwendet.Wichtiger war für sie ein Treffen mit einem hohen Geistlichen der Al Azhar Universität, der nach dem Treffen flink antiamerikanische Töne anschlug. Wie auch in Tunesien werden nun wohl auch in Ägypten die “Regime nahen” moderaten Imame eingeschüchtert oder gleich ganz weggesäubert. Die Kontrolle über Al Azhar bedeutet nicht nur, dass nun etwas deutlichere Fatwas kommen werden, sondern es bedeutet auch die Kontrolle über hunderte von Bildungseinrichtungen von Kindergärten und Schulen bis zur Universität selbst. Das ist Teil der “Verankerung im Volk”, das wie oben beschrieben im Sinne der Scharia erzogen werden soll. Verankert war die MB auch in den wochenlangen Protestaktionen gegen die Einsetzung eines christlichen Provinz Gouverneurs. Ohne dass die Armee einschritt wurden Eisenbahnlinien, Autobahnen und der Gouverneurssitz blockiert. Die MB zog sich offiziell erst zurück als die Fraktion der Salafisten (jetzt auch für das Massaker an den Christen verantwortlich) zu offener Gewalt überging. Insgesamt war die Aktion “erfolgreich“. Der Christ wird sein Amt nicht antreten.Das Zusammenspiel von Mosche, Bewegung (bis zum Mob), sozialen Projekten, Bildungseinrichtungen, Medien und nun der eigenen Partei/en beherrscht die MB virtuos. 

Während unsere Klugscheißer vom arabischen Frühling schwadronieren, geraten die wenigen ägyptischen Demokraten und die christliche Minderheit in eine immer aussichtslosere Lage. 

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