Fjordman: Die Geburt des Kapitalismus

Übersetzt von Rebecca.

Die Ottomanen verwendeten eine  zentralisierte Machtstruktur, um einen großen Anteil der Ressourcen des Empires für militärische Aktivitäten zu verwenden. Jedoch wurden sie erfolgreich bei den europäischen Staaten zurückgewiesen. Die Problematik mit einer überzentralisierten Machtstruktur mit hohen Steuern liegt darin, dass diese langfristig zum ökonomischen und technologischen Stillstand führen. Erfolgreiche Erneuerung benötigt ein gewisses Maß an Dezentralisierung, welche in den Regionen von Westeuropa  mit vielen freien Städten, von Norditalien über die Niederlande und Flandern bis nach England und Norddeutschland, vorherrschte. Dort begegnen wir der Entwicklung des Kapitalismus.

„The Ancient Economy: Evidence and Models“, herausgegeben von J.G. Manning und Ian Morris ist eine gemeinschaftliche Arbeit verschiedener Gelehrter über die Wirtschaft von Ägypten, den Nahen Osten und die griechisch-römische Antike. Die alte Welt war nicht „kapitalistisch“ in unserem Verständnis des Wortes. Die Sklaverei verringerte den Anreiz, arbeitssparende Technologien zu entwickeln. Die Menschen hatten keine Tradition des langfristigen Bemühens um technische Lösungen für eine „gefühlte Notwendigkeit“ (sie hatten keine Forschungs- und Entwicklungslabore) und litten oft unter Vorurteilen gegenüber der Arbeit mit Händen.

In der griechisch-römischen Welt sollte der Wohlstand vorzugsweise vom Land kommen. Handel wurde gerade noch als sozial akzeptabel eingestuft, wobei auf die Industrie heruntergeschaut wurde. Anhaltendes Wachstum an Kapital verlangt anhaltende technologische Verbesserung. Das römische ökonomische Wachstum war sehr langsam, weil der technische Fortschritt sehr langsam war- nicht unbedingt nichtexistent – aber langsam. Es gibt ein paar Hinweise darauf, was wir ein kapitalistisches Konzept nennen würden, bei welchem man kalkulierte Investitionen in bessere Technologien tätigt um die zukünftige Produktivität zu steigern.

Der westliche Reichtum begann mit dem Wachstum der Städte und des Handels zu blühen und steigerte sich während der Renaissance im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert mit der Entwicklung der relativ autonomen Klasse der professionellen Händler. Friedrich von Hayek (1899-1992), ein österreichischer und später britischer Ökonom und Philosoph, identifizierte einen neuen Individualismus, der vom Christentum sowie von der klassischen Antike unterstützt wurde, die sich während der Renaissance entwickelte. Er beschreibt dies in seinem Klassiker „The Road to Serfdom“:

“Von den Handelsstädten Norditaliens beginnend breitete sich die neue Weltsicht durch den Handel aus in den Westen und Norden, durch Frankreich und den Südwesten von Deutschland zu den Beneluxländern und den Britischen Inseln, indem sie sich dort anwurzelten, wo keine zerstörerische Macht sie unterdrücken konnte. Durch diese gesamte moderne Zeit europäischer Geschichte bestand die generelle Richtung der sozialen Entwicklung darin, das Individuum von den Fesseln zu befreien, die diese an traditionelle oder vorgeschriebene Verhaltensweisen banden. Vielleicht bestand die größte Errungenschaft der Befreiung der individuellen Energien in dem großartigen Wachstum der Wissenschaft, welcher dem Marsch der individuellen Freiheit von Italien nach England und weiter folgte. Erst seit die individuelle Freiheit den Weg eröffnete zur freien Verwendung von Wissen, erst seitdem alles ausprobiert werden konnte- sofern jemand gefunden werden konnte der dies auf eigenes Risiko auf sich nehmen konnte und, dies sollte hinzugefügt werden, so gut wie nie unterstützten die Autoritäten offiziell die Kultivierung des Lernens, hat die Wissenschaft große Sprünge gemacht, welche in den letzten hundertfünfzig Jahren das Gesicht der Welt veränderten.

Modernes ökonomisches Wachstum hat seine Wurzeln in der Mittelalterzeit. Ursprünglich war es so, dass „die Errungenschaften der Autonomie von einer Entspannung oder Schwächung der politischen und religiösen Kontrollsysteme stammten. Diese gaben anderen Bereichen des sozialen Lebens die Möglichkeit mit Veränderung zu experimentieren. Wachstum ist natürlich eine Form der Veränderung und Wachstum ist unmöglich, wenn Veränderung nicht erlaubt ist. Jede erfolgreiche Veränderung benötigt ein großes Maß an Freiheit  zu experimentieren. Eine Garantie dieser Art von Freiheit kostet den Machthabenden einer Gesellschaft ihr Gefühl von Kontrolle, so als ob sie anderen die Macht übergeben, über die Zukunft der Gesellschaft zu bestimmen. Weder hat die große Mehrheit der Gesellschaften, in der Vergangenheit sowie in der Gegenwart, diese zugelassen – noch sind sie der Armut entflohen“

Europa entwickelte eine intellektuelle Besonderheit, welche nicht einfach auf ökonomische Interessen reduziert werden kann. China war für viele Jahrhunderte die größte Ökonomie der Welt, aber produzierte niemals etwas das einer wissenschaftlichen Revolution glich. Dies bedeutet nicht, dass es überhaupt keine Verbindung zwischen Reichtum und Errungenschaften gäbe. Die Medici Bänkerfamilie in Florenz förderte über Generationen hinweg großartige Errungenschaften von Künstlern wie Donatello bis zu Galileo. 1472 gegründet als Leihhaus wird die Banca Monte die Paschi di Siena aus der schönen Stadt Siena in der Toskana in Norditalien heute als die älteste überlebende Band der Welt betrachtet.

Der deutsche  Soziologe Max Weber (1864-1920) brachte Kapitalismus in seiner einflussreichen Studie „The Protestant Ethic and the Spirit of Capitalism“ in Zusammenhang mit dem protestantischen Zweig des Christentums. Ich denke, es ist richtig zu sagen, dass die protestantischen Nationen sich besonders dynamisch darin zeigten, sich an Wissenschaft und Kapitalismus anzupassen. Protestantismus ermutigte normale Menschen dazu, die Bibel genauer zu studieren, was wiederum das Wachstum der Lese- und Schreibfähigkiet förderte. Noch immer jedoch gibt es keinen Zweifel, dass das Fundament des Kapitalismus im katholischen Europa in den mittelalterlichen Stadtstaaten von Norditalien zu finden ist.

Avner Greif stimmt in der “Ancient Economy” mit der Sichtweise überein, dass das ökonomische Wachstum seine Wurzeln im Mittelalter hat und einen ökonomischen, sozialen, rechtlichen und politischen Prozess reflektiert, durch welchen die westlichen europäischen Nationen die ersten modernen Ökonomien  erschufen. Wasserräder wurden von den Römern nicht ganz so ausgiebig verwendet wie im mittelalterlichen Europa, aber das Wasserrad repräsentierte auf alle Fälle einen konzeptionellen Durchbrich als die „ erste Maschine, die nicht-lebende Energie für Verwendung an Land verwendete- Zusätzlich dazu hinterließen die Römer die Europäer mit einer einheitlich gelernten Sprache über politische Grenzen hinaus, Latein, und darüber hinaus der Nachlass der römischen Gesetzgebung:

“Schließlich, beinhaltet das römische Erbe im Westen die römische Rechtstradition. Viele Ökonomen würden zustimmen, dass , um modernes ökonomisches Wachstum entstehen zu lassen und zu unterstützen, eine legale Tradition notwendig ist – eine legale Tradition in welcher Regeln verändert werden können, um sich der sich zeigenden Bedürfnisse der Ökonomie anzupassen und die sicherstellt dass Individuen das Recht auf Besitz und Freiheit haben. Solch eine Tradition existiert in der westlichen Welt und es ist ein Erbe aus der römischen Zeit. Es war zu dieser Zeit, dass die europäische Rechtstradition sich ausbildete und trotz verschiedener Herausforderungen hat es den Test der Zeit bestanden. Man kann nur rätseln, ob das moderne ökonomische Wachstum in Europa hätte stattfinden können, hätte es alternative Rechtstraditionen gehabt, die anderswo entstanden, wie das göttliche Recht, das die muslimische Welt dominiert.“

Greif, der ein Ökonomieprofessor an der Standford Universität in den USA ist, führt seine Ansichten in „Institutions and the Path to the Modern Economy aus: Lessons from Medieval Trade“. Die wissenschaftlichen Gesellschaften des siebzehnten Jahrhunderts hatten einen praktischen Schwerpunkt auf der experimentellen Wissenschaft mehr als auf der Philosophie nach Aristoteles, aber sie bauten auf dem Netzwerk europäischer Universitäten auf. In den Augen von Avner Greif, bündelte sich die Entwicklung der Gesellschaft im Westen auf geschaffenen Institutionen und war selbstregiert, Organisationen wie Zünfte und Universitäten, nicht Stämme und Clans wie im Mittleren Osten.

“Seit dieser Zeit stehen diese speziellen gesellschaftlichen Organisationen, die auf selbstgeleiteten nicht-familienbasierenden Organisationen und Individualismus zentrierten, hinter dem Verhalten und Ergebnissen, welche zu spezifischen europäischen ökonomischen und politischen Entwicklungen führten. Diese gesellschaftliche Organisation ist der gemeinsame Nenner hinter solch historischen Phänomenen wie das ökonomische Wachstum des späten Mittelalters, der Aufstieg der europäischen Wissenschaft und Technologie (Mokyr 2001) und die Erschaffung des modernen europäischen Staates, die letztendliche Entstehung von selbstgeleiteten, nichtfamilienbasierenden Korporationen, gegründet von Individuen und nicht von größeren gesellschaftlichen Einheiten (Greif 2004b). Wenn Institutionen für die ökonomischen, sozialen und politischen Ergebnisse zentral sind und institutionelle Entwicklung ein historischer Prozess ist, werden die Wurzeln des eventuellen Erfolgs des Westens mit hoher Wahrscheinlichkeit in den politischen und ökonomischen Institutionen der Vergangenheit liegen.“

Während er allgemein den europäischen Individualismus lobt, spekuliert er auch, ob der exzessive Individualismus zum kulturellen Verfall des Westens bei jüngeren Generationen geführt hat.

Es gab einen Verfall in mittelalterlichen selbstverwalteten politischen Einrichtungen während der Zeit des Absolutismus. Jedoch überlegt Greif ob dies als eine Ausnahme in dem langen Verlauf der europäischen Geschichte durch das vergangene Millenium hindurch gesehen werden sollte. Mittelalterliche Neuerungen zeigen sich in heutiger Praxis im Handeln mit Aktien, in beschränkter Haftung, Rechnungskontrolle, die Ausbildungslehre und die doppelte Buchführung.

Patricia Buckley Ebrey geht in der „Cambridge Illustrated History of China“ darauf ein, wie die “Erscheinung von kommerziellen Städten nicht die gleiche politische und intellektuelle Rolle in China spielte wie sie dies kurz später in Europa taten. Chinesische Städte wurden keine Plätze, die mit persönlicher Freiheit in Zusammenhang gebracht wurden. So waren „ beides Städte und ländliche Gegenden unter der Kontrolle von Vertretern der zentralen Regierung.“ Und weiter “ ist es der universelle König, der die politische Ordnung verkörpert und die Macht besitzt, die Gesellschaft unter ihm zu transformieren – zum Besseren oder Schlechteren.  DemGesetz im Gegensatz dazu wurde keine vergleichbare Macht von Seiten des chinesischen Gelehrten gegeben. Ob aus der Sicht eines Anhängers Konfuzius, eines Legalist oder sogar eines Taoists wurde das Gesetz als ein Hilfsmittel betrachtet, nicht als etwas Nobles oder Unantastbares. Oder etwas das höher als oder jenseits des Machthabenden existieren würde.

In Übereinstimmung mit konfuzianischen Prinzipien wurden die Bestrafungen je nach sozialer Beziehung festgelegt. Zum Tod eines Elternteils beizutragen war eine große Straftat sogar wenn dies aus Versehen passierte, wohingegen den Sohn zu Tode zu schlagen eine relativ geringe Straftat war, wenn dieser etwas getan hatte, das Bestrafung verdiente – zum Beispiel das Elternteil zu verfluchen. Das Gesetzbuch wurde interpretiert und angewendet bei normalen Beamten von lokaler Ebene aufwärts. Chinas legales System hatte keinen unabhängigen Gerichtshof, keine Rechtsanwälte für die Verteidigung und keine Unschuldsvermutung.

Chinesische Offizielle waren Anhänger mit der Herrschaft der Ehre, nicht der Herrschaft des Gesetzes. Konfuzius argumentierte nicht von systematischen Prinzipien und noch weniger von den Ideen der Rechte der Individuen aus. Konfuzianische Ethik betonte Hierarchie und Gehorsam nach außen. Autoritäten herauszufordern wurde als unverzeihliches Zeichen von Respektlosigkeit angesehen. Vorfälle gegen Autoritäten und die soziale Ordnung zog spezielle Folgen nach sich. Autor Harry G.Gelber drückt dies so aus:

“In China basierte das Rechtssystem nicht auf Gesetzen sondern auf sozialen Normen und universellen Prinzipien konfuzianischer Moralität. Diese wurden bei jedem einzelnen Fall von einem Gericht angewendet, das nach Staatsinteresse handelte. Das imperialistische Gesetz wurde nach sozialer Ordnung hin ausgelegt und das Gesetz war – und ist nach wie vor – ein Werkzeug der Administration, ohne Referenz zu einer höheren Instanz von Gesetz oder in irgendeiner Form ähnlich zum römischen oder angelsächsischen Gesetz. Dies verursachte natürlich Unsicherheit nicht nur für die Angeklagten aber auch für den Richter selbst. Es gab auch kein kommerzielles Recht im modernen westlichen Sinne obwohl geschriebene Verträge und sogar mündliche Zusagen von Magistraten bestärkt werden konnten. Es gab auch nicht die Firma als legales Individuum. In China gab es nichts Vergleichbares zu der Bedeutung eines geschriebenen und unterzeichneten Vertrags. Weiter, wenn man Chinas System der kollektiven Verantwortung nimmt, war es so, dass jemand obwohl er persönlich unschuldig war als Repräsentant einer Gruppe oder als Sündenbock hingerichtet werden konnte. Die Solidarität zwischen Familienmitgliedern war ein solch starkes Element der chinesischen Gesellschaft und die Vermutung von Schuld führte oft zur Bestrafung von Familienmitgliedern.

Der angesehene Gelehrte Joseph Schacht sagt in seiner Arbeit “Eine Einführung ins islamische Gesetz“ dass das „Konzept der Gesellschaft im islamischen Gesetz nicht existiert“. Weiter noch „dort gibt es keine Freiheit der Assoziation“. Dieser ernste gesetzliche Defekt hatte große Auswirkungen auf die islamische Zivilisation, nicht zuletzt in Zusammenhang mit der ökonomischen Entwicklung wie Timor Kuran klargestellt hat.

Wie es die Ex-Muslimin Wafa Sultan in ihrem guten Buch “Ein Gott der hasst” beschreibt, bestehen ein großer Teil seiner Biographie aus den Raubzügen die Muhammed und seine Mitstreiter ausführten, welche sich auf mindestens 27 belaufen wenn man islamischen Quellen glaubt. Ihr Zweck war sich Beute anzueignen zu und die rivalischen Stämme zu beschämen und ihre Fähigkeit sich zu wehren zu vermindern. Eine Philosophie des Raubzuges „hat sich fest im muslimischen Geist verwurzelt. Beduinen hatten Angst vor Raubzügen auf der einen Seite, auf der anderen Seite war ihr Lebensunterhalt davon abhängig. Dann kam der Islam und sprach sie heilig. Muslimen des einundzwanzigsten Jahrhunderts haben immer noch Angst von anderen ausgeplündert zu werden und leben in jeder Sekunde ihres Lebens damit sich vorzubereiten jemand anderen auszurauben. Die Philosophie der Plünderung beherrscht ihr Leben, die Art wie sie sich verhalten, ihre Beziehungen und ihre Entscheidungen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s