Zipfelmützen Aufgewacht! Die verborgene Ausplünderung der Bundesbank

Der folgende Artikel war dankenswerter Weise, von Oliver Marc Hartwich,  über die Achse verlinkt.  Da die besten Infos stets nur in englischer Sprache vorliegen, habe ich ihn, auch wenn ich nicht „vom Fach“ bin, übersetzt. Holperigkeiten bitte ich zu entschuldigen. Echte Schnitzer bitte im Kommentarbereich melden. Beim Lesen sollte man auf den Blutdruck achten!

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/jetzt_geht_es_an_die_goldreserven/


Euro Krise, Zweiter Akt: Hat die Bundesbank ihr Limit erreicht?

http://www.voxeu.org/index.php?q=node/7391

Aaron Tornell,  Frank Westerman

6.Dezember 2011

Wenn Sie dachten, die Krise der Eurozone würde in dieser Woche ihr Ende erreichen, so argumentiert diese Kolumne, dass wir kaum das Ende des ersten Aktes erreicht haben.

Der zweite Akt im sich entfaltenden Drama der Eurozone beginnt in dieser Woche, in der die Führer beim europäischen Gipfel Notmaßnamen bekannt geben um weitere Markt Turbulenzen zu verhindern. Warum diese plötzliche Dringlichkeit?

Weil die Bundesbank dabei ist, ihre Kapazität zu erschöpfen, mehr Mittel an gestresste Regierungen zu verleihen  .

Im Gefolge der Krise von 2008, haben einige nationale Zentralbanken, besonders in Griechenland, Irland, Italien, Portugal, und Spanien (die GIIPS), ihre Darlehen gegenüber den Finanzinstitutionen dramatisch angehoben. Um diese Darlehen zu finanzieren, borgten die Zentralbanken der GIIPS hauptsächlich über die EZB – von anderen Zentralbanken, besonders von der Bundesbank.

Um diese Darlehen zu finanzieren, verkaufte die Bundesbank ihre Beteiligungen an deutschen Assets (Aktiva).Wie Abbildung 1 zeigt, haben die Zentralbanken der GIIPS zwischen Dezember 2007 und September 2011 ihre Anleihen gegenüber inländischen Finanz Institutionen um nahezu 300 Milliarden angehoben. Im Kontrast dazu fiel der Bestand der gesamt Aktiva in der Bilanz der Bundesbank dramatisch auf den niedrigsten Stand in der Geschichte.

Das bedrohliche Zeichen, das die Bühne für den zweiten Akt im sich entfaltenden Drama der Eurozone vorbereiten könnte – ist die Tatsache, dass die Bundesbank bald den Vorrat an Sicherheiten erschöpft haben wird, die sie verkaufen kann um weitere Darlehen an das Eurosystem zu finanzieren. An diesem Punkt, könnte die Bundesbank ihr Gold verkaufen oder die Einlagen / Deposits, die sie vom privaten Sektor nimmt erhöhen.

Am wahrscheinlichsten jedoch, wird die Bundesbank gegen derlei Aktionen einen starken Druck der deutschen Öffentlichkeit gewärtigen. Daher scheint es, als würde die Krise der Eurozone in ihre zweite Phase eintreten, in der die Politik die Notwendigkeit für neue Maßnahmen zur Verhinderung von Marktturbulenzen fühlen wird.

Abbildung 1. Binnen- Kreditvergabe der Zentralbanken in der Eurozone

Quelle: IFS und Bundesbank, Monatlichen Bulletin
Anmerkung: Binnen- Kreditvergabe der Zentralbank ist die Summe der Ansprüche auf andere depository kooperations-, Gesamt- Ansprüche gegenüber der Regierung und Ansprüche gegenüber anderen Sektoren.

Um die Dynamiken innerhalb des Währungssystems innerhalb der Eurozone weiter zu analysieren, betrachten Sie die typische Bilanz einer Zentralbank. Wie Abbildung 1. zeigt, umfassen die Aktiva Gold und internationale Währungsreserven. Zum Zweiten schließen sie Regierungs- Bonds (Staatsanleihen), private Sicherheiten so wie andere Aktiva ein, die die Zentralbanken auf dem freien Markt kaufen und verkaufen können.

Weniger bekannt, aber quantitativ sehr entscheidend, sind die Ansprüche einer Zentralbank gegenüber dem Eurosystem – die “TARGET” Ansprüche. Diese TARGET Ansprüche entstehen, wenn ein Erwerb von Gütern oder Aktiva nicht unmittelbar durch einen privaten Kapitalfluss ausgeglichen wird. Zudem schließen die Verbindlichkeiten einer Zentralbank die Währungszirkulation, die Einlagen die sie von Finanz Institutionen annimmt und die TARGET Verbindlichkeiten mit dem Eurosystem ein.

Um Verwirrung zu vermeiden, möchten wir klarstellen, dass die Größe der Bilanz einer Zentralbank – auch als Geldbasis/ monetary base bekannt – nicht identisch ist mit dem Geld Vorrat.

Tabelle1. Die Bilanz einer Zentralbank

Aktiva

Goldreserven

Private Sicherheiten im Besitz der Zentralbank

Staatliche Sicherheiten im Besitz der Zentralbank

Andere Aktiva

Darlehen an das Eurosystem (TARGET Ansprüche)

Verbindlichkeiten, Passiva

Zirkulierende Banknoten

Anlagen von privaten Kreditinstituten

Darlehen vom Eurosystem (TARGET Verbindlichkeiten)

Andere Verbindlichkeiten

Kapital

Wie wir in Abb.2 sehen können, folgt die drastische Absenkung der Sicherheiten der Bundesbank dicht dem scharfen Anstieg der Darlehen der Bundesbank an das Eurosystem: die Sicherheiten der Bundesbank fielen von 268 Milliarden Euro im Dezember 2007 auf 21 Milliarden Euro im Oktober 2011. In der Zwischenzeit stiegen die Darlehen an die Eurozone um nahezu 400 Milliarden Euro. Die letzte Zahl ist größer, da die Bundesbank , durch das Aufnehmen von Anleihen, auch dem privaten Kapitalmarkt lieh – wie die Abbildung 3.weiter unten zeigt.

Abb.2 . Aktiva der Bundesbank

Im Grunde gleicht die Höhe der Ansprüche gegenüber dem Eurosystem, das die Bundesbank ansammeln kann, den Aktiva in ihrer Bilanz plus dem Betrag, den sie auf den Kapitalmärkten leihen kann. Druck von der deutschen Öffentlichkeit könnte jedoch die Bundesbank vom Erreichen des theoretischen Limits abhalten. Es gibt einige politische Schwellenwerte. Der erste, wenn der Vorrat von Bundesanleihen in der Bundesbank Null erreicht.

Wie Abb. 2 zeigt , ist diese Schwelle erreicht. Sogar vor der Krise lag der Bestand an Bundesanleihen in der Bundesbank praktisch bei Null. Die zweite Schwelle wird erreicht sein, wenn der Bestand der Anleihen der Bundesbank an den privaten Sektor aufgebraucht ist. Wie wir oben beschrieben, ist der Bestand an Anleihen an private Kredit Institute fast auf Null gefallen. Zum Ende Oktober 2011, stand er bei 21 Milliarden Euro.

Danach kann die Bundesbank ihr Gold verkaufen (gegenwärtig 132 Milliarden Euro) oder ihre Bestände an Fremdwährungen ( international reserves) von 49.5 Milliarden Euro. Aber sie hat das in einer erhitzten Debatte mit anderen Mitgliedern der Eurozone im letzten Oktober heftig abgelehnt. Statt ihre Anteile an Gold zu verringern, wurde die Bundesbank ein Netto- Schuldner (net debtor) im heimischen privaten Kapitalmarkt, wie Abb.3 zeigt.

Tabelle 2. Die Aktiva der Bundesbank

Abbildung 3. Die Bundesbank  wurde zum Netto Schuldner privater Kreditinstitute

Der Mechanismus

Wie wir beschrieben haben, kann der Bestand an Sicherheiten, die in der Europäischen Währungsunion durch die Zentralbank gehalten werden, in einem Mitgliedsland ansteigen, auch wenn die EZB keine expansive Politik für die gesamte Eurozone betreiben möchte. Diese Schaffung von Grundkapital (base money) wird nicht wie in früheren Zeiten durch die Druckerpresse, sondern elektronisch gemacht.

Um den Mechanismus zu illustrieren, stellen Sie sich das folgende Beispiel vor. Der Eigentümer griechischer Staatsanleihen verwendet diese als Sicherheit um von seiner Geschäftsbank zu leihen, die im Gegenzug Anleihen bei der Bank von Griechenland aufnimmt. Die griechische Zentralbank sendet (wires) die Papiere über die EZB an die Bundesbank, die sie im Gegenzug in das Bankkonto des griechischen Bürgers einzahlt.

Im Ergebnis bekommt die Bundesbank einen “TARGET Anspruch” gegenüber der EZB. Dieser “TARGET Anspruch” ist durch Sicherheiten – die griechischen Staatsanleihen – gestützt, die bei der EZB hinterlegt sind, die zuvor im Besitz des griechischen Staatsbürgers waren.

Durch diese Operation, ist der Anstieg im Bestand der Sicherheiten der Bank von Griechenland, gespiegelt (matched) durch eine Minderung der Sicherheiten in der Bilanz der Bundesbank. Die Bundesbank verkauft einige Aktiva, um fähig zu sein, die Mittel in dem privaten Frankfurter Bankkonto des griechischen Staatsbürgers zu hinterlegen.

Im Ergebnis sind die deutschen Aktiva in der Bilanz der Bundesbank durch EZB Sicherheiten (TARGET Ansprüche) ersetzt. Die gesamte monetäre Basis der Eurozone aber bleibt in diesem Beispiel unberührt. (sieh Garber1998, Sinn und Wollmershäuser 2011 und Buiter et al 2011).

Abbildung 4. zeigt den dramatischen Anstieg der Darlehen von der deutschen Bundesbank und der niederländischen Zentralbank an das Eurosystem. Von September 2007 bis September 2011, sind die TARGET Verbindlichkeiten der GIIPS gegenüber der EZB um 329 Milliarden Euro angestiegen, während die TAGET Ansprüche (liabilities) von Deutschland gegenüber der EZB um 404 Milliarden und die der Niederlande um 75 Milliarden Euro angestiegen.

Diese Zahlen sind außerordentlich hoch. Die TARGET Verbindlichkeiten der GIIPS betragen 63% des totalen Bestandes an Sicherheiten, die von den Zentralbanken in diesen Ländern gehalten werden.

Ein Vergleich der Zahlen 2, 3 und 4 enthüllt, dass über den Zeitraum von 2007 bis zum 3. Quartal 2011 der Anstieg der TARGET Ansprüche der Bundesbank gegenüber der EZB der Verminderung der Anleihen an den privaten Sektor folgt plus dem Anstieg der Anleihen, die sie von privaten Kreditinstituten nimmt.

 
Wo sind die Grenzen dieses Mechanismus?

Im Prinzip ist der Himmel das Limit. De Facto aber, kann dieser monetäre Prozess eine politische Grenze erreichen. Wir haben die Limits beschrieben, der die Bundesbank entgegen sieht. Als nächstes bedenken wir die Perspektive der GIIPS und der EZB.

Abbildung 4. Ansprüche gegenüber dem Eurosystem (bis September 2011)

Anmerkung: Ansprüche gegenüber dem Eurosystem aus einer Zentralbank des IFS, ausgenommen Deutschland. Umfrage . Für Deutschland zeigt die Serie die kulmativen Abflüsse über die Zentralbank, die unter “monetary authorities – other items“ in der Balance of paymensts Statistik ( Zahlungsbilanz) des IFS vermerkt sind . Der Wert für 2011 Q3, ist aus dem November Bericht des monatlichen Bulletins der Bundesbank entnommen.

Wie lange können die Zentralbanken der GIIPS TARGET Verbindlichkeiten bei der EZB ansammeln? In der Theorie so lange wie sie Sicherheiten besitzen, die von der EZB akzeptiert werden, was den gesamten Bestand der Staatsanleihen und andere marktfähige Aktiva (wie durch Pfand gedeckte Sicherheiten) anerkannt durch die EZB, bedeutet.

Aber, das Ausgehen von Sicherheiten heißt nicht zwangsläufig, dass die EZB das Borgen beendet. Sollten den Zentralbanken die Staatsanleihen ausgehen, können die nationalen Regierungen neue ausstellen und sie an private Banken verkaufen. Banken könnten diese im Gegenzug als Sicherheit nutzen um von ihren Zentralbanken zu leihen. Demnach gibt es praktisch kein Limit zur Menge der heimischen Staatsanleihen, die nationale Zentralbanken als Sicherheit verwenden könnten um TARGET Ansprüche bei der EZB anzusammeln.

Als Nächstes betrachten wir die Perspektive der EZB. So lange wie die EZB Staatsanleihen und andere marktfähige Aktiva (assets) als Sicherheit akzeptiert, kann die expansive Politik der Peripherie fortgesetzt werden. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass die EZB, um eine National Bank von der exzessiven Expansion der Anleihen an Finanz Institutionen abzuhalten, aufhört, die Staatsanleihen dieses Landes als Sicherheit anzunehmen.

Würde die EZB aufhören, Sicherheiten eines ihrer Mitgliedsländer zu akzeptieren, würde dieses Land effektiv aus dem Euro TARGET System ausgeschlossen. So ein Land könnte den Euro immer noch als offizielle Währung benutzen.

Politische Verfahren

Bis jetzt haben die Darlehen der Bundesbank den GIIPS Zentralbanken erlaubt, Staatsanleihen ohne einen korrespondierenden Anstieg des monetären Sockels der Eurozone als Ganzer, zu kaufen – also ohne das die EZB mehr Geld druckt (nach einer Expansion im Jahr 2008, ist der monetäre Sockel zu einem (trend growth) Trend Wachstum zurückgekehrt). Über kurz oder Lang aber, wird der Bestand der Bundesbank in heimischen Aktiva gegen Null gehen und es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie ihr Gold verkaufen wird oder mehr auf dem privaten Kapitalmarkt leihen wird.

An diesem Punkt wird die Bundesbank nicht in der Lage sein, mehr Mittel an den TARGET Mechanismus der Eurozone zu verleihen. Im Ergebnis, gehen wir auf die multiple equilibria Zone / Zone multiplen Gleichgewichts, zu, in der der Glaube an den Zusammenbruch der Eurozone sich selbst erfüllt.

In so einer Situation, könnten Marktteilnehmer Mittel aus Fiskalinstitutionen aus fiskalisch schwachen Ländern in andere “sichere” Länder wie Deutschland transferieren. In ruhigen Zeiten können Transfers nahtlos durch den TARGET Mechanismus der EZB abgewickelt werden. Aber, wenn eine kritische Masse von Agenten / Händlern sich an so einer Kapitalflucht beteiligt, weg von den fiskalisch schwachen Ländern, würde das TARGET System überwältigt.

Im Grunde kann eine spekulative Attacke innerhalb eines Tages auftreten, und die EZB würde alle marktfähigen Sicherheiten von Ländern die unter der spekulativen Attacke leiden, annehmen müssen. Weil die EZB eine relativ kleine Kapitalbasis hat, wäre sie nicht in der Lage, eine große Menge von Aktiva der Länder die unter dem Angriff leiden , zu erwerben.

Im zweiten Akt des sich entfaltenden Eurozonen Dramas, könnten die neuen Maßnamen das Drucken von Geld durch die EZB einschließen, die Ankündigung der EU einer Ausgabe von Eurobonds oder, eine Ausweitung der Kreditlinie für gestresste Länder durch den IMF. Die Motivation so einer Antwort der Politik ist es, eine spekulative Attacke zu verhindern und eine Verschiebung zum gesunden Gleichgewicht/ good equilibrium zu bewirken.

Diese Aktionen werden etwas Zeit für das Einsetzen wirtschaftlicher und fiskalischer Reformen erkaufen. Aber, wie Erfahrungen aus der Vergangenheit belegen, könnten diese Maßnamen, wenn diese Reformen nicht stattfinden, sehr teuer für die Steuerzahler werden. (siehe Sachs et al 1996)

Bitte lesen Sie auch die „Bogenberger Erklärung“, 16 Wege aus der Krise, einer Gruppe von Experten um den Präsidenten des Ifo Instituts, Hans Werner Sinn :

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/16-wege-aus-der-krise-sorge-um-deutschland-und-europa-11552994.html

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