Afghanistan – COIN – das Eigene für das Fremde vergessen

Frontpage: Afghanistan, der Krieg der Sozialarbeiter

 Daniel Greenfield, 17.10.2012

Egal wer die Wahlen gewinnen wird, in ein paar Jahren werden die letzten Flugzeuge  mit den letzten Soldaten  den afghanischen Staub abschütteln und sich in den Himmel erheben. Sie werden eine begrenzte Zahl von Beratern, ex-Militärs als zivile Vertragsarbeiter und einen Haufen Diplomaten zurücklassen, die in Kabul in einen Wettlauf mit der Zeit eintreten. Ein paar Jahre später, wenn islamistische Mobs durch die Straßen streunen und Raketenangriffe auf die US Botschaft zur Routine wurden, werden die Hubschrauber auf dem Dach zurück sein und die überlebenden Diplomaten werden unterwegs sein, zu neuen Aufgaben in friedlicheren Teilen der Welt – wie Bagdad und Kairo.

Der Krieg in Afghanistan ist verloren und dieser Ausfall bleibt meist unausgesprochen. Wäre Obama nie gewählt worden, dann hätte die Linke, koordiniert mit ihren Großen Brüdern den Demokraten, diese Niederlage vielleicht auf den Level eines neuen Vietnam gehoben. Aber dieser in den frühen Jahren der Bush Regierung gehätschelte Traum, hat sich erledigt seit der Sohn von Jimmy Carter auf der Plattform  „wir schlagen die Taliban“ antrat. Statt eines neuen Vietnam, wird der lange Krieg eine unbemerkte Niederlage sein.

Keine Seite möchte darüber sprechen und die amerikanischen Bürger wollen einfach nur raus. Das Ende ist geschrieben, die Friedhöfe sind voll und alles was zu tun übrig bleibt ist den Staub abzuschütteln und nach Hause zu gehen.

Aus Niederlagen sollte jedoch gelernt werden und niemand beabsichtigt die Lektion von Afghanistan zu lernen. Die Leute die für die 1.500 Toten verantwortlich sind, weil sie die Weisung gaben, die Taliban zu schlagen ohne einen einzigen Fingernagel eines Afghanen abzubrechen (auch  dann nicht, wenn er ein Taliban ist, der sich hinter einer Burka versteckt) werden den Preis dafür nicht zahlen. Sie werden als Lobbyisten  lukrative Auftritte haben oder als Trainer für Führungskräfte, Firmenleiter auf Golfplätzen herumführen und ihre Anekdoten über die Zeit, in der sie beinahe unter Beschuss kamen, vermarkten.

Sie werden nicht zur Verantwortung gezogen, denn als sie 1.500 amerikanische Soldaten opferten, folgten sie nur Anweisungen und diese Anweisungen kamen von Generälen, die Anweisungen von Valerie Jarrett und Susan Rice und Hillary Clinton befolgten und von der gesamten Diploarchie,  bei deren verzweifeltem Versuch den Krieg zu gewinnen und die Besetzung zu beenden, indem sie die Taliban an den Verhandlungstisch bringen wollten und Obama, rechtzeitig zur Wahl,  in den ‚Mission Accomplished Jet‘.

Es gibt keinen General Westmoreland, den man hier hängen könnte. Was ihm am nächsten kommt, ist General McChrystal, ein Mann der so gerne der hippe, coole General, der Obama Afghanistans sein wollte und viel mehr Leben kostet als General Custer zu seiner Zeit. McChrystal folgte nur dem neuen Trend, der besagte, dass Kriege nicht durch Gewalt gewonnen werden, sondern durch das Gewinnen von Herzen und Köpfen und durch den Wandel der sozialen Bedingungen. Der neue Krieger war kein Soldat mehr, sondern ein Sozialarbeiter, ein Diplomat und ein Gelehrter der vergleichenden Religionswissenschaft. Und wenn 1.500 Sozialarbeiter zu sterben hatten, damit die Afghanen dahin kommen uns zu lieben … dann soll es so sein.

Der Krieg in Afghanistan wurde verloren, weil er zum Kindergarten mit Gewehren wurde, einer Wohlfahrtsagentur mit schwerer Artellerie, die in der Umgebung von Zivilsten nicht verwendet werden konnte. Und er wurde von dem gleichen Typ von Leuten geführt, die unsere heimischen Stadtzentren dadurch in Höllenlöcher verwandelt haben, dass sie sich bei Kriminellen anbiedern, während sie es den Polizeibehörden unmöglich machen ihre Arbeit zu tun.

Denken Sie nicht an Afghanistan als ein fernes Land. Denken Sie an New York in den 80gern. Denken Sie an Detroit oder Chicago. Denken Sie an all die Sozialarbeiter, die immerfort nach sozialer Gerechtigkeit rufen und ein Ende der Polizeibrutalität verlangen. Denken Sie an die Anwälte, die grinsenden Schlägern helfen aus dem Gefängnis zu kommen. Denken Sie an die Politiker, die mit den Anführern von Nachbarschafts-Gangs schmusen und ihnen Huldigen. Das ist es was in Afghanistan geschehen ist.

Aber das ist es nicht, weshalb wir den Krieg verlieren. Das ist es weshalb wir so viele gute Männer verlieren, während wir ihn verlieren.

Wir haben den Krieg in Afghanistan nicht verloren. Als wir hinein gingen, waren die Taliban zerschmettert, vertrieben und gebrochen. Sie brauchten Jahre um sich zu erholen aber sie waren verpflichtet sich zu erholen, solange es moslemische Nachbarländer wie Pakistan und den Iran gab, die in dieses Wiedererstarken investierten. Die Unsinnigkeit in einem Land mit großer Bevölkerung und niedrigen Einkommen, einen Stellvertreterkrieg gegen einen Aufruhr zu führen, war vor Vietnam bekannt. Sie war natürlich bekannt, bevor wir versuchten Afghanistan sicher zu machen.

Vor zehn Jahren schlugen wir die Taliban nicht dadurch dass wir durch Straßen patrouillierten und mit den einheimischen Dorfältesten Tee tranken. Wir schafften es indem wir Leute fanden, die die Taliban schlagen wollten und sie ausstatteten und ihnen Luftunterstützung gaben. Wir schafften es nicht, indem wir Herzen und Köpfe gewannen, wir schafften es mit dem Abwurf von Bomben und noch mehr Bomben. Wir siegten durch Siegen.

Die Vorstellung durch Siegen zu siegen ist unmodern geworden. Das post- alles Feingefühl heißt  Gewinnen durch Verlieren. Zu gewinnen indem man so viele Zugeständnisse macht und sich so lange bückt, bis der Feind entweder dazu übergeht einen zu lieben oder ganz und gar diskreditiert ist. Das klappt nie, aber das ist die ordnungsgemäße linke/liberale Art und Weise, sich  jedem Konflikt mit Leuten anzunähern, die keine reichen weißen Männer sind.

Durch Siegen zu siegen, so wird  ein tiefer Denker uns sagen, ist sinnlos.  Zu versuchen durch Siegen zu siegen, ist der Weg in die Niederlage. Du magst einen Terroristen töten, aber tausend werden seinen Platz einnehmen. Du magst die Schlacht gewinnen, aber mit dem Beginn des Krieges hast Du den Krieg schon verloren.

Nicht lachen. Derlei tiefe Gedanken stecken in der intellektuellen DNA der Diplomaten und der Generäle, der Experten für regionale Studien, die über den Gedanken höhnisch grinsen, Kriege zu gewinnen statt alle ‚Stake holder‘ eines Konflikts aufzureihen und sie davon zu überzeugen, eine funktionierende Gesellschaft aufzubauen, statt sich selbst vor  Polizeiwachen in die Luft zu jagen.

Also versuchten wir nicht durch Siege zu siegen. Wir versuchten dadurch zu siegen, dass es im Interesse aller sei, uns dabei helfen zu lassen damit sie durch ein Leben in Frieden gewinnen. Das hat etwa so gut geklappt, wie es in einer Gesellschaft zu erwarten war, in der das Gewinnen ein Nullsummenspiel ist und Kooperation ein zeitweiser Waffenstillstand bei dem jede Partei darauf wartet, der anderen in den Rücken zu stechen. Statt durch Siegen zu siegen, verloren wir durch Verlieren. Das ist der post-amerikanische Weg.

Und doch ist das auch nicht das, weshalb wir den Krieg verloren. Das ist es, weshalb wir nicht verstehen, weshalb wir den Krieg verloren haben.

Bevor diese heimtückische Doktrin griff, hatten wir bereits ein Modell des ‚Nation Building‘ adoptiert, das eher auf einer Wiederherstellung von Stabilität durch Besetzung beruht, als auf der Zerschlagung der tragenden gegnerischen Macht und dem Weiterziehen.

Wir haben nicht den Krieg in Afghanistan verloren. Wir haben das ‚Nation Building‘ verloren. Wir haben die  hoffnungslosen Anstrengungen verloren, Koalitionen von Korrupten  zusammen zu schustern und in den daraus resultierenden Territorien Streife zu gehen, während wir behaupteten, dass demokratische Wahlen in einem Land ohne jede Vorstellung rechtlicher Gleichheit oder von Bürgerrechten, bedeuteten, dass wir Fortschritte machten, weil die barbarischen Länder nun genau so werden würden wie wir.

Amerikanische Soldaten wurden zu Sicherheitspersonal für Karzai. Amerikanische Soldaten wurden Afghanistans Armee. Amerikanische Soldaten wurden beauftragt, Frieden in einer Gesellschaft gewährleisten, in der Frieden fremd und ein Leben billig ist. Wir verloren den Krieg das Land zu stabilisieren und zu demokratisieren, aber es gibt niemanden, der den hätte gewinnen können. Selbst die Russen zeigten, dass sie nicht die Nerven für den massiven Blutzoll hatten, den es gekostet hätte Afghanistan unter ihrer Art von Regierung zu stabilisieren. Wir bestimmt nicht.

Unser Fehler war es, die Bedingungen für einen Sieg vom Zufügen massiven Schadens für die Taliban und al Kaida, bei Stärkung ihrer Feinde, zu einer Umformung Afghanistans in eine stabile, gesunde Gesellschaft umzuschreiben. Wir hatten das Schlangenöl ‚Stabilität‘ getrunken und   begannen zu glauben, Afghanistan sei grad wie Deutschland oder Japan und dass, wenn wir den Einheimischen beibrächten gesunde demokratische Institutionen aufzubauen, die Stabilität folgen würde. Wir irrten.

Wir haben Afghanistan verloren, weil wir vergaßen, dass wir es nie besaßen. Wir haben den Krieg verloren, weil wir vergaßen, dass es ein Krieg war und beschlossen,  es sei eine humanitäre Mission. Wir haben verloren, weil wir anfingen zu glauben, dass kein Krieg moralisch sei, wenn er nicht in der moralischen Erlösung des Feindes endet. Wir haben den Krieg verloren, weil wir einen Krieg  nicht länger vor uns selbst rechtfertigen, im Interesse unserer eigenen Verteidigung, sondern nur im Interesse der Rettung eines anderen Volkes, einer anderen Gesellschaft vor sich selbst. Wir verloren Afghanistan, weil wir noch wussten wie  man kämpft, aber wir erinnern uns nicht mehr daran wofür wir kämpften.

Drei Eimer Kamelpisse -Über das Märchenbuch, dass zur Grundlage einer Militärstrategie wurde.

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